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18.02.2017, 10:00 Uhr Übersicht | Drucken
Besuch des albanischen Landwirtschaftsministers Edmond Panariti bei der Bezirks-Frauen Union
mit den Landfrauen

über die Landwirtschaft in Albanien sowie die Rolle der Frau in Albanien allgemein, aber besonders in der Landwirtschaft.

Auf Initiative der Wolfacher Bundestagsabgeordneten Kordula Kovac (CDU) besuchten der albanische Landwirtschaftsminister Edmond Panariti sowie dessen Stellvertreter Roni Telegrafi am vergangenen Wochenende Baden-Württemberg.
Zweck des Besuches waren Einblicke in die Produktion der hiesigen Landwirtschaft, insbesondere den Weinbau. Nach Ende der kommunistischen Herrschaft ist der Weinbau in Albanien ein aufsteigender Landwirtschaftszweig.

Kordula Kovac, Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft und weinbaupolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hatte daher organisiert, dass auf dem Programm des albanischen Ministers der Besuch des Staatsweingutes Weinsberg, die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau des Landes Baden-Württemberg, mit der Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, stand sowie der Besuch der Hochschule Geisenheim. Beide Einrichtungen sind Lehrbetriebe für den Wein- und Obstbau.

Ein Programmpunkt während des dreitägigen war Panaritis Auftritt bei den Vorstandsfrauen der Bezirks-Frauen Union am 18.2.2017. Im Rahmen ihrer Vorstandssitzung im Hofgut Himmelreich konnten sich die Frauen über die Landwirtschaft in Albanien, die Rolle der Frau im Allgemeinen und besonders in der Landwirtschaft informieren.



Das kleine Land am westlichen Rand der Balkanhalbinsel nördlich von Griechenland ist eine demokratisch verfasste parlamentarische Republik. 50% der 3 Millionen Einwohner sind Frauen. Für uns überraschend, gilt das Land gemäß einer Erhebung der Vereinten Nationen als hochentwickelt. 1990 hatte Albanien die höchste europäische Geburtenrate, inzwischen liegt sie mit 1,3 Kindern unter dem europäischen Durchschnitt.
Aufgrund früherer osmanischer Herrschaft war die Gesellschaft sehr patriarchalisch geprägt. In den späten 90er Jahren sind ¼ der Bevölkerung ausgewandert und brachten dann von außen neue Modelle des Zusammenlebens in ihre Heimat. Frauen sind gleichberechtigter, was sich auch in der großen Zahl weiblicher Abgeordneten niederschlägt. Aufgrund des Drucks der Frauen müssen bei der kommenden Präsidentschafts- und Parlamentswahl 50% der Kandidierenden weiblich sein.
Auch in der Landwirtschaft schreitet die Gleichberechtigung voran. 7% der landwirtschaftlichen Unternehmen werden von Frauen geführt, bei Mittelbeantragung und anderen Dingen werden sie von staatlicher Seite ermutigt und unterstützt. Der Staat möchte damit eine Änderung erreichen, dass nicht die Männer hauptsächlich im landwirtschaftlichen Management tätig sind und wie bisher 50% Frauen die harte Arbeit verrichten.
Das Land mit 300 Sonnentagen und 300000 in der Landwirtschaft tätigen Menschen, exportiert nach Deutschland vor allem Heilpflanzen. Im Bereich Bildung und Medizin ist die Teilhabe von Frauen sehr weit. Dies möchte man auf andere Bereiche ausdehnen. Bildung ist wie überall die beste Möglichkeit, einen Gesellschaftswandel herbeizuführen.
Frauen sind die Säule der Familie und der Gesellschaft. Gerade in der jüngeren Generation begegnen sich Mann und Frau auf Augenhöhe. Auch in Albanien beginnt der Umschwung in den Städten, in ländlichen Gegenden ist noch mehr zu tun. Allerdings, so Panariti, sei noch nicht genügend bewerkstelligt, zur Gleichstellung seien weiter Gesetze und Maßnahmen notwendig. So wurde beispielsweise eine Studie der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) über die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft in Albanien in Auftrag gegeben: http://www.fao.org/3/a-i5413e.pdf
Noch im 15. Jahrhundert war Albanien zu 100% christlich geprägt. Die Islamisierung weiter Teile der Bevölkerung setzte zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein. Die meist aus Überlebensgründen unfreiwillig angenommene Religion führt bis heute dazu, dass der Islam auch bei der 60% muslimischer Bevölkerung nicht tief verankert und mitnichten vergleichbar mit der Türkei, Saudi-Arabien oder anderer Nahostländer ist. Die religiösen Gruppen leben in bemerkenswerter und in dieser Region einzigartigen Toleranz zusammen.

Panariti erwähnte auch den Einfluss radikal-islamischer Staaten wie Iran und Saudi-Arabien, die viel Geld in islamische Kulturzentren investieren und vor allem junge Menschen mit einer Art von Wahabismus indoktrinieren. Dadurch ist die Koexistenz der Religionen gefährdet. Hier analysiert Panarit ganz klar: alle Balkanstaaten sind das Eingangstor zum radikalen Islam. Mit einem EU-Beitritt dieser Länder könne dieser Gefahr besser zu begegnet werden. Überhaupt zählt Albanien sehr auf eine strategische Partnerschaft mit Deutschland.

Der EU-Beitritt wurde 2009 beantragt und 2014 wurde Albanien als Beitrittskandidat der Europäischen Union aufgenommen. Aufgrund der albanischen NATO-Mitgliedschaft sind die Beitrittsaussichten gut. Edmond Panariti konnte uns die Rolle der Frauen in einem von uns bisher ziemlich unbeachtetem Land nahebringen, war Albanien doch unter kommunistischer Herrschaft an die Volksrepublik China angelehnt, 1967 mit einem absoluten Religionsverbot belegt und zum „ersten atheistischen Staat der Welt“ erklärt worden und bis 1990 sehr isoliert. Seinem Vortrag schloss sich die Vorstellung des Landfrauenverbandes Südbaden durch ihre Präsidentin Rosa Karcher an. Auch auf dieser Ebene könnte eine Kooperation mit dem albanischen Landwirtschaftsministerium entstehen.
Gertrud Pluskwik – FU-Vorsitzende Freiburg


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